Rohstoffmarkt im STRESS-Regime: Iran-Konflikt treibt Öl über 108 USD

Executive Summary

Die Rohstoffmärkte stehen am 28. April 2026 unter erheblichem STRESS – ausgelöst durch die anhaltende Blockade der strategisch wichtigen Hormuz-Straße und die daraus resultierenden Ölpreisrisiken. Während Öl und Energie mit deutlichen Kursanstiegen auf die geopolitischen Spannungen reagieren, zeigen Edelmetalle wie Gold und Silber Schwäche aufgrund steigender Zinserwartungen und Inflationsdruck. Industriemetalle bleiben trotz volatiler Rahmenbedingungen stabil, unterstützt von einer robusten Nachfrage aus China und Engpässen im Minenangebot. Die kommende Zentralbank-Woche sorgt zusätzlich für Unsicherheit im Zinsumfeld.

Marktregime: STRESS

Die aktuelle Analyse klassifiziert das Marktregime eindeutig als STRESS. Dieses Regime zeichnet sich durch erhöhte Risikoprämien, volatile Preisbewegungen und eine angespannte geopolitische Lage aus. Im Zentrum steht die Blockade der Hormuz-Straße durch den Iran, die ein knappes Ölangebot und steigende Preise provoziert. Die Volatilität in den Energiemärkten überträgt sich auf die Edelmetalle, die unter Druck geraten, da steigende Zinsen die Attraktivität von Gold und Silber mindern. Gleichzeitig zeigen Industriemetalle eine relative Stabilität, getragen von einer robusten chinesischen Nachfrage und Engpässen im Minenangebot. Das komplexe Zusammenspiel von geopolitischen Risiken, Inflationsängsten und geldpolitischer Unsicherheit prägt somit das aktuelle Marktbild.

Energie: Ölpreis unter Druck durch Iran-Konflikt – Gaspreise geben leicht nach

Die Energiepreise zeigen am 28. April 2026 eine klare Divergenz: Während Rohöl kräftig anzieht, fällt Erdgas moderat. Brent Crude erreicht mit 108,37 bis 108,68 USD/Barrel ein Niveau, das einem Anstieg von 2,75 bis 2,89 % entspricht und damit den siebten Handelstag in Folge steigt. WTI Crude legt ebenfalls um rund 2 % zu und notiert zwischen 96,27 und 96,96 USD/Barrel.

Treibende Kraft sind die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten rund um die Hormuz-Straße, eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Öl- und Gashandel. Etwa 20 % des weltweiten Öl- und Gasverbrauchs passieren diese Meerenge. Die seit Wochen andauernde Blockade durch den Iran, die durch gescheiterte US-Iran-Friedensgespräche keine Lösung findet, verknappt das Angebot zunehmend.

Besonders kritisch ist die Ankündigung Irans, die Ölproduktion in den kommenden zwei Wochen drastisch zu drosseln, sollte die Blockade nicht aufgehoben werden. Diese drohende Verknappung hat die großen Investmentbanken zu einer Neubewertung ihrer Prognosen gezwungen:

  • Goldman Sachs erhöhte die Brent-Q4-Prognose auf 90 USD/Barrel.
  • Macquarie warnt vor einem möglichen Anstieg auf bis zu 150 USD bei anhaltender Blockade.
  • Nuvama prognostiziert ein Szenario von 110 bis 150 USD bei vollständiger Sperrung.

Im Gegensatz dazu sinkt der Henry Hub Erdgaspreis um 2,4 % auf 2,669 USD/MMBtu. Dies reflektiert saisonale Nachfragerückgang sowie günstige Lagerbestände in den USA. Die Divergenz zwischen Öl und Gas unterstreicht die regionalen Marktunterschiede und die hohe geopolitische Sensitivität der Ölpreise.

Rohstoff Preis Veränderung heute
Brent Crude (Juni) 108,37–108,68 USD/Barrel +2,75–2,89 %
WTI Crude (Juni) 96,27–96,96 USD/Barrel +1,98–2,10 %
Erdgas (Henry Hub) 2,669 USD/MMBtu -2,40 %

Edelmetalle: Gold unter Druck – Silber schwächelt, Platin und Palladium korrigieren deutlich

Die Edelmetalle zeigen am 28. April 2026 eine uneinheitliche Entwicklung. Gold, traditionell als sicherer Hafen in Krisenzeiten, steht unter Druck und verliert heute 0,35 % auf ein Spotniveau zwischen 4.662 und 4.682 USD/oz. Der London Fixing vom Vortag lag noch bei 4.701,60 USD/oz, was einen Rückgang von ca. 900 USD seit dem Allzeithoch (~4.800 USD) bedeutet. Dennoch bleibt Gold auf Jahressicht mit einem Plus von über 40 % äußerst stark.

Belastend wirken vor allem die gestiegenen Ölpreise, die den Inflationsdruck erhöhen und die Erwartungen an Zinssenkungen dämpfen. Höhere Zinsen machen Gold als nicht verzinsliches Asset weniger attraktiv. Parallel dazu zeigt Silber mit einem Tagesverlust von 0,90 % und einem Wochenminus von 6,2 % deutliche Schwäche. Der Jahresgewinn schrumpfte auf nur noch 6,9 %, was die hohe Zinssensitivität dieses Industriemetalls unterstreicht.

Platin verliert 1,52 % auf 1.983,50 USD/oz. Die Platin-Nachfrage aus der Automobilindustrie bleibt schwach, da Elektrofahrzeuge keinen Platinkatalysator benötigen. Palladium, das ebenfalls hauptsächlich in Katalysatoren eingesetzt wird, fällt sogar um 5,40 % auf 1.459,00 USD/oz – der stärkste Tagesverlust unter den Edelmetallen.

Rohstoff Preis (USD/oz) Veränderung heute Jahresveränderung
Gold (Spot) 4.662–4.682 -0,35 % +40,0 %
Silber (Spot) 74,34–75,50 -0,90 % -6,20 % (Wochenbasis)
Platin 1.983,50 -1,52 %
Palladium 1.459,00 -5,40 %

Industriemetalle: Kupfer stabil, Lagerbestände sinken – Aluminium, Zink und Nickel ziehen leicht nach

Die Industriemetalle präsentieren sich trotz der angespannten geopolitischen Lage bemerkenswert stabil. Kupfer notiert bei 13.212 USD/t (Settlement) mit einem leichten Anstieg im 3-Monats-Kontrakt auf 13.270,50 USD/t. Die Lagerbestände am LME sanken um 1.325 Tonnen auf 391.250 Tonnen, was auf eine nach wie vor robuste Nachfrage und ein fragiles Minenangebot hinweist. Die chinesische Nachfrage bleibt ein zentraler Stützpfeiler, gestützt durch weiterhin expansive Infrastrukturprogramme und Erholung in der Industrieproduktion.

Aluminium folgt diesem Trend mit einem Settlement-Preis von 3.662 USD/t und einem Rückgang der LME-Lagerbestände um 3.575 Tonnen auf 372.700 Tonnen. Auch Zink und Nickel verzeichneten Lagerabbau von 1.800 bzw. 30 Tonnen, während die Preise bei 3.444,50 USD/t (Zink) bzw. 19.275 USD/t (Nickel) stabil blieben. Zinn und Blei zeigen mit leichten Lagerabnahmen ebenfalls eine gespannte Versorgungslage, wobei Zinn bei 50.300 USD/t und Blei bei 1.939 USD/t gehandelt werden.

Rohstoff Preis (USD/t) LME-Lagerbestand (t) Lagerveränderung
Kupfer (Settlement) 13.212,00 391.250 -1.325
Kupfer (3 Monate) 13.270,50
Aluminium 3.662,00 372.700 -3.575
Zink 3.444,50 101.025 -1.800
Nickel 19.275,00

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