⬇️ PDF herunterladen (Rohstoff Daily Intelligence – 28. April 2026)
| Rohstoff | Preis | Veränderung | Trend |
|---|---|---|---|
| Brent Crude Oil | ~$109,30 / bbl | +0,97% | ↑ Stark steigend |
| WTI Crude Oil | ~$97,31 / bbl | +0,98% | ↑ Stark steigend |
| Gold (Spot) | ~$4.675 / oz | -0,65% | ↓ Unter Druck |
| Silber | ~$73,82 / oz | -0,88% | ↓ Schwächer |
| Kupfer (LME) | ~$13.212 / t | -0,55% | → Seitwärts/Schwach |
| Nickel (LME) | ~$19.540 / t | +2,3% | ↑ 2-Jahres-Hoch |
| Aluminium (LME) | ~$3.314 / t | -1,21% | ↓ Konsolidierung nach +6% |
| Platin | ~$1.974 / oz | -1,13% | ↓ Schwächer |
| Palladium | ~$1.478 / oz | -2,09% | ↓ Schwächer |
| Erdgas (Henry Hub) | ~$2,89 / MMBtu | +0,10% | → Stabil |
1. Ölpreis klettert Richtung $110 – Markt ignoriert Irans Hormus-Angebot
Trotz eines überraschenden Angebots des Iran, die Blockade der Straße von Hormus im Gegenzug für ein Ende der US-Blockade und des Krieges zu beenden, kletterte der Brent-Ölpreis am Dienstag auf über 109 US-Dollar pro Barrel. Die USA lehnten den Deal umgehend ab. Goldman Sachs reagierte mit einer drastischen Anhebung seiner Prognosen: Für das vierte Quartal 2026 wird nun ein Brent-Preis von 90 USD erwartet, getrieben von einem beispiellosen globalen Lagerabbau von 11–12 Millionen Barrel pro Tag im April und einem erwarteten Marktswing in ein Defizit von 9,6 Millionen Barrel täglich im zweiten Quartal.
2. Nickel auf Zwei-Jahres-Hoch durch globalen Schwefel-Engpass
Der Nickelpreis an der London Metal Exchange (LME) ist auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gesprungen (über 19.500 USD/t). Dieser Preisschock ist das Resultat einer toxischen Mischung: Indonesien hat seine Bergbauquoten für 2026 massiv von 379 auf 260–270 Millionen Tonnen gekürzt. Gleichzeitig führt der Nahost-Krieg zu einem globalen Engpass bei Schwefel – einem kritischen Reagenz für die Nickel-MHP-Verarbeitung in Indonesien und die Kupferlaugung in Afrika.
3. Gold schwächelt vor Fed-Entscheidung inmitten von Stagflationsängsten
Während Energieträger und Industriemetalle florieren, gerät Gold unter Druck und fiel unter 4.700 USD pro Unze. Der Markt blickt gespannt auf die morgige FOMC-Sitzung (29. April), bei der eine Zinspause als sicher gilt. Gleichzeitig warnt der IWF vor einer drohenden Stagflation in den Industrieländern. Der durch den Ölpreisschock induzierte Inflationsdruck zwingt die Zentralbanken, die Zinsen länger hoch zu halten.
Die Rohstoffmärkte präsentieren sich am 28. April 2026 in einem extrem fragilen Zustand. Das Marktregime steht unverändert auf „Trouble am Markt“. Die geopolitische Risikoprämie, insbesondere durch die anhaltende Blockade der Straße von Hormus, dominiert das Geschehen. Das jüngste diplomatische Manöver des Iran – ein Angebot zur Öffnung der Meerenge gegen ein Ende der US-Blockade – wurde von den Märkten als taktisches Spiel abgetan, was sich in weiter steigenden Ölpreisen (Brent nahe 110 USD) manifestiert.
Die strukturellen Auswirkungen dieses Konflikts fressen sich zunehmend tiefer in die industriellen Lieferketten. Der rasante Anstieg der Nickelpreise auf ein Zwei-Jahres-Hoch verdeutlicht, wie geopolitische Verwerfungen (Schwefel-Engpass durch Nahost-Krieg) und protektionistische Maßnahmen (Indonesiens Quoten-Kürzungen) kumulieren. Für Minenbetreiber bedeutet dies: Die Sicherung kritischer Betriebsmittel (Reagenzien, Energie) wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Makroökonomisch braut sich ein perfekter Sturm zusammen. Die von Goldman Sachs prognostizierten massiven Produktionsausfälle (14,5 Mio. Barrel/Tag im Nahen Osten) und der drastische Lagerabbau befeuern die Inflation. Dies bringt die US-Notenbank Fed bei ihrer anstehenden Sitzung in ein Dilemma: Die Stagflationsrisiken nehmen zu, was kurzfristig Druck auf Edelmetalle wie Gold ausübt, langfristig aber ein Umfeld schafft, in dem physische Assets als ultimativer Wertspeicher dienen könnten.
Die aktuellen Marktdynamiken unterstreichen die Notwendigkeit einer robusten Risikodiversifikation. Der Fokus sollte auf Unternehmen liegen, die in geopolitisch sicheren Jurisdiktionen operieren und vertikal integrierte oder gesicherte Lieferketten für ihre Betriebsmittel aufweisen. Die Verknappung bei Nickel und die anziehenden Energiekosten werden die Margen unvorbereiteter Produzenten belasten, während strategisch gut positionierte Akteure überproportional profitieren dürften.
Besonders im Fokus: Nickel-Produzenten außerhalb Indonesiens, integrierte Energie-Unternehmen mit Nahost-Exposure, und Gold-Royalty-Unternehmen als Stagflationsschutz.
- The Times of India (28.4.2026): Oil prices climb towards $110
- AP News (27.4.2026): Iran offers to reopen Strait of Hormuz
- Mining.com (27.4.2026): Nickel price rises to two-year high
- EnergyNow (27.4.2026): Goldman Sachs Raises Oil Price Forecasts
- FXStreet (27.4.2026): Advanced economies face the risk of stagflation
- MSN/CNBC (27.4.2026): Aluminum soars 6% on LME